Behandlung

25.02.15

Hier bald die wichtigsten unserer eigenen Erfahrungen zum Umgang mit einem Pferd, das zu Hufrehe neigt.

Dazu eine Anmerkung:

Jeder Hufreheverlauf ist anders. Wer möchte, dass sein Rehepferd überlebt, muss sich die Zeit nehmen und immer überlegen, was am besten für das eigene Pferd ist, sich nicht durch Rückschläge entmutigen lassen und aus Fehlern beim eigenen Pferd lernen, wie man es besser machen kann.

Die meisten Rehepferde haben bei umsichtiger Behandlung die Chance zu überleben.

Diese Seite hier ist nur für die Menschen gedacht, die ihr Rehepferd lieben und nicht als Sportgerät betrachten, denn so einsatzfähig wie früher wird ein Rehepferd schon nach der ersten Rehe nie mehr sein. Dass Rehepferde wieder bedingt reitbar werden, ist aber möglich, wenn man sorgsam mit ihnen umgeht.

LG Renate
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 18.06.16

Ich möchte diese Seite heute auch endlich einmal ergänzen.

Das ist unser Pony Chiwa. Ich habe auf der Themen-Oberseite "Chiwas Story" sehr genau aufgeschrieben, was wir alles in Bezug auf Hufrehe mit Chiwa erlebt haben.

Chiwa gehört nicht zu den Pferden, die Hufrehe durch das Cushing-Syndrom oder das Equine Metabolische Syndrom bekommen haben. Ob sie zum Typ der Rehepferde gehören könnte, die die Empfindlichkeit aufgrund von EPSSM (der Equinen Polysaccharidspeichermyopathie) habe, weiß ich nicht.
Als Chiwa -rechts vorn, noch schwarz damals - zu uns kam, hatte sie sogar besonders stabile Hufe.

Den ersten Hufreheschub bekam Chiwa, als wir unsere Pferde im Sommer 2001 auf einer Wiese hatten, die in einer Senke mit Sumpfschachtelhalm bewachsen war ... mir war damals nicht klar, wie gefährlich sowas ist .. ich gehe aber heute davon aus, dass das bei Chiwa der Auslöser für den ersten Hufreheschub gewesen ist.


Das links ist die Weide, auf der Chiwa im September 2001 den ersten Hufreheschub bekommen hat. Wir hatten die Senke erst im Spätsommer dazu eingezäunt .. weiter oben wuchs kein Sumpfschachtelhalm.

Es war kein Fruktanwetter, sondern eine Regenphase, als Chiwa plötzlich mit Hufrehe flach lag.

Heparinspritzen haben ihr damals spontan geholfen.

Ich halte Heparin generell für Pferde von Typ, wie es Chiwa ist, für ein sehr gutes Mittel, das ein Pferd nach einem Hufreheschub schnell wieder auf die Beine bringen kann. Ich habe sehr viel herum gesucht, warum das so sein könnte. Ich habe gefunden, dass Heparin etwas Natürliches ist, das der Körper ganz allein frei setzt. Durch viel Bewegung wird Heparin gut durch die Blutgefäße transportiert. Dort löst es die Lipoproteinlipase, ein Enzym, vom Endothel der Blutgefäße ab. Diese Lipoproteinlipase spaltet die großen Fettpartikel im Blut und trennt die freien Fettsäuren vom Glycerin-Mittelteil ab. Glycerin wird gebraucht, um sich bei einem Überangebot von Laktat im Blut mit diesem zu verbinden und kann dann wieder normal verstoffwechselt werden. Das verhindert, dass der Körper übersäuert. Die freien Fettsäuren wiederum können sich mit Glucose zusammen in den normalen Fettzellen, die nicht gefährlich sind anders als die, die EMS-Pferde entwickeln können und die gefährliche Hormone aussenden, zu ganz normalem Speicherfett verbinden.

Ich vermute deshalb anders als viele Tierärzte das erklären, Heparin hilft, weil es dann mehr ist durch die zusätzlichen Spritzen, einfach den Stoffwechsel wieder zu regulieren und in normale Bahnen zu lenken, was bei einem Hufrehe-Schub eben wichtig ist.

Ich halte nichts von zu vielen Schmerzmitteln. Nur wenn es ganz schlimm war, hat Chiwa in zwei Fällen eine Woche lang Metacam bekommen. Ich habe mich geweigert, ihr Phenylbutazon zu geben, das die gesamte Prostaglandinsynthese hemmt. Ich denke, das ist sehr ungesund und hilft nicht bei Hufrehe, sondern schadet den Pferden sehr.

Weidenzweige helfen auch ein wenig gegen die Schmerzen, die Pferde fressen sie von alleine, so lange sie Schmerzen haben. Es ist ein Naturstoff darin enthalten, der besser als künstliches Aspirin ist. Auch Aspirin wäre auf jeden Fall Mitteln wie Phenylbutazon vorzuziehen, wenn es denn unbedingt sein muss, dass ein Rehepferd ein Schmerzmittel bekommt.

Wir machten einen großen Fehler bei Chiwa, indem wir beim ersten Hufreheschub eine Hufheilpraktikerin nach Straßer Chiwas Hufe machen ließen. Sie hat sehr gelitten danach.

Ich habe auch in den Jahren danach immer wieder festgestellt, dass es für Chiwa lebensgefährlich werden kann, wenn ein Hufpfleger oder auch ein Schmied, denn auch das haben wir inzwischen erlebt, dass Schmiede auch so arbeiten können, die Trachten zu flach, die Sohle zu dünn und die Tragränder weg schneidet. Chiwa braucht keine Hufeisen, aber eine Hufstellung zum Fesselstand, leicht schräg. Sie braucht einen Tragrand und eine nicht ausgedünnte Hufsohle.

Weiterhin verträgt Chiwa es nicht, wenn sie viele Eicheln fressen kann. Dabei geht es nicht um eine Hand voll Eicheln, sondern Riesenbäume, wo diese Früchte im Herbst dann eimerweise runter fallen. Chiwa frisst diese Eicheln und so haben wir auch schon einen Rückschlag in Sachen Hufrehe bei ihr erlebt.

Genauso durch große Mengen Klee.





Ich habe sehr viel gesucht und heraus gefunden, dass alle Hufrehe-Auslöser bei Chiwa außer den Fehlern bei der falschen Hufbearbeitung eines gemeinsam hatten, und zwar die Hemmung des Vitamins B1 im Stoffwechsel.

Sumpfschachtelhalm tut das, kann in zu großen Mengen für alle Pferde sogar tödlich sein. Klee und Eicheln tun das auch. Klee enthält zusätzlich Oxalsäure.

Bucheckern enthalten übrigens ebenso viel Gerbsäure, hemmen auch das Vitamin B1, auch wenn Chiwa die bisher noch nicht gefressen hat und ich auch aufpassen werde, dass das nicht passieren wird. Ich achte seit ich das weiß immer darauf, dass Chiwa auf keiner Kleeweide lange grasen kann und dass ich im Spätsommer Bäume, wo Eicheln oder Bucheckern runter fallen können, auf jeden Fall so lange auszäune, bis diese Gefahr vorbei ist.

Man kann das Zeug ja wegharken.

Generell hilft Chiwa im Falle eines Hufrehe-Schubs also folgendes:

Sofort eine Woche lang Heparin-Spritzen, sicherheitshalber runter von der Weide und füttern mit sehr gutem Heu .. keine Heulage !!! .. Omega-3-Öle oder solche Ölsamen im Beifutter ... ich gebe immer ein Struktur-Müsli und zusätzlich kommt noch Rapsöl dazu .. das halte ich generell für gut bei meinem Rehepony. In ihrem Müsli ist auch immer Bierhefe enthalten .. das enthält alle B-Vitamine reichlich, auch Vitamin B1.

Dann hilft Chiwa ergänzend das Zufüttern mit Weidenzweigen und Brennesseln (im Winter kriegt man die getrocknet in der Apotheke, im Sommer einfach selbst sammeln).

Wenn es ihr besser geht, frisst sie beides von selbst nicht mehr auf.

Chiwa kann meistens dann eine Weile wegen des Wendeschmerzes nicht wirklich ausbüxen. Bei Pferdegesellschaft ist es bei ihr wichtig, dass sie genug Ruhe bekommt, was nicht bei jedem Pferd klappt. Das muss man bei ihr abwägen, eventuell zwei Pferdefreunde mit Zaun dazwischen dicht nebeneinander stellen, bis sie sich wirklich erholt hat.

Chiwa hat meiner Ansicht nach die Hufgeschwüre, die sie oft hatte, eher von falscher Hufbearbeitung als von der Hufrehe selbst bekommen, eventuell anfänglich noch auch als Rehe-Folge, aber generell auch ohne wirklichen Hufrehe-Schub durch zu flache Trachten, eine zu dünne Sohle, zu wenig Tragrand.

Sowas wird von Tierärzten oft nicht erkannt, die diagnostizieren gern bei einen Rehepferd jede Lahmheit einfach als wieder Hufrehe. Man sollte das aber unterscheiden.

Wenn Ihr selbst ein Rehepferd habt, werden ihr von Jahr zu Jahr besser lernen, wie es um dieses Pferd bestellt ist.

Ein weiterer Hufrehe-Auslöser bei Chiwa war Jahre später Schimmel in Heulage.

Auch Schimmel behindert das Vitamin B1 im Stoffwechsel genauso wie alle anderen Hufrehe-Auslöser bei unserem Pferd.

Das muss bei Eurem Pferd aber nicht genauso sein.

Wie ich am Anfang schon sagte, jedes Rehepferd ist anders und es erfordert viel Mühe und Geduld, selbst herauszukriegen, wie man am besten mit diesem Tier umgeht.

Chiwa verträgt normales Gras, wenn nicht viel Klee auf der Weide ist und unter keinen Umständen irgendwo Sumpfschachtelhalm wächst oder zu bestimmten Jahreszeiten über den Knick Eicheln (und Bucheckern wären noch gefährlicher) auf die Weide fallen können.

Ich zeige Euch deshalb auch ein aktuelles Foto, wo sie mit ihrer Freundin zur Zeit ohne Probleme einfach den Weidegang genießt. Der Bewuchs ist optimal für Chiwa.

Wir haben dort kaum Klee, allerdings auch gar kein deutsches Weidelgras, also die Grassorte, die am meisten Fruktan bildet.

Ich glaube bei Chiwa allerdings nicht, dass sie auf Fruktane besonders empfindlich reagiert, bei ihr sind es die Vitamin-B1-Räuber, die für sie gefährlich sind.

Generell ist genug Bewegung in meinen Augen gut, und zwar deshalb, weil so das natürliche Heparin gut durch die Blutadern fließt, wenn man oft mit dem Pferd etwas Sport treibt oder auch nur spazieren geht. Man muss es ja nicht übertreiben, lieber regelmäßig was tun wie im Round Pen, an der Longe und bei alten Pferden tun es auch Spaziergänge oder Bodenarbeitsspiele auf dem Platz und so.

Eine Erfahrung, die ich in Bezug auf Hufgeschwüre gemacht habe, möchte ich noch hier dazu stellen.

Als Chiwa so viele davon hatte, dass sie nicht mehr aufstand, hat ihr ein Rehegips damals das Leben gerettet, denn ohne den hätte sie nicht wieder rumlaufen können, aber das war überlebenswichtig für sie.

Auf dem Bild links hat sie den Rehegips auf dem linken Vorderhuf, wenn Ihr genau hinschaut. Der war eine Woche drauf, danach war an einem anderen Huf das Hufgeschwür auf und wir konnten ihn wieder entfernen, dann da das Geschwür aufmachen und Chiwa so retten.

Wer Fragen hat, weil neu mit Hufrehe konfrontiert, darf mich hier gern wo auch immer über die Kommentarfunktion was fragen. Ich muss das aber frei schalten, finde es aber in meinen E-mails, antworte ganz bestimmt, sobald ich es gesehen habe, also schnell.

Ansonsten viel Glück für jedes andere Rehepferd.

LG
Renate

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